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Beschäftigungsanspruch eines Profifussballers

Passend zur EM: Hat ein Profifussballer Anspruch auf die Teilnahme an den Trainings der 1. Mannschaft?

Gemäss konstanter Rechtsprechung (vgl. u.a. Grundsatzentscheid «Veroljub Salatic gegen GC» sowie BGE 137 III 303) ist die regelmässige Beschäftigung für Berufsfussballer erforderlich, um ihren Marktwert zu erhalten. Ohne regelmässige, professionelle Trainingseinheiten verliert ein Profifussballer schnell den Anschluss.

Wie weit der Anspruch auf Beschäftigung geht, ist aber nicht klar definiert und muss im Einzelfall ermittelt werden. Fehlen konkrete Vereinbarungen im Vertrag wie beispielsweise der Anspruch auf Teilnahme in den Trainings der 1. Mannschaft, kann unter Umständen auch ein Spieler der 1. Mannschaft in anderen Trainingsgruppen platziert werden. Dies kann unter Umständen ausreichen, um dem vertraglich zugesicherten Beschäftigungsanspruch zu genügen. Ob der Beschäftigungsanspruch auch die Teilnahme am Spielbetrieb umfasst, ist umstritten.

In den Verträgen von Berufsfussballern wird von den Clubs oft – analog zum Musterarbeitsvertrag für Berufsfussballer des SFV (Schweizer Fussballverband) – vorbehalten, den Spieler auch in anderen Bereichen einzusetzen, bei denen sie «gemäss den massgebenden Bestimmungen des SFV Nichtamateure einsetzen dürfen und für welche der Spieler gemäss den massgebenden Bestimmungen des SFV und der zuständigen Abteilungen des SFV spielberechtigt ist» (Art. 6 Allg. Vertragsbedingungen zum Musterarbeitsvertrag SFV). Mit anderen Worten kann ein Spieler, welcher der 1. Mannschaft angehört(e), z.B. in eine zweite Mannschaft versetzt werden, ohne dass der Beschäftigungsanspruch verletzt wird. Wenn dies verhindert werden soll, ist der Spieler gut beraten, einen entsprechenden Vorbehalt im Vertrag vorzusehen oder die entsprechende Bestimmung der Allgemeinen Vertragsbedingungen des Mustervertrags SFV zu streichen.

Wird der Beschäftigungsanspruch verletzt, kann dies eine Persönlichkeitsverletzung i.S.v. Art. 328 Abs. 1 OR und/oder eine Verletzung der Fürsorgepflicht der Arbeitgeberin (Fussballclub) darstellen. Dagegen kann ein Spieler rechtlich vorgehen. Um weiteren Schaden zu verhindern, werden dazu meist sogenannte vorsorgliche Massnahmen notwendig. Da solche Verfahren schnell eingeleitet werden müssen und einige Spezialitäten zu beachten sind, empfiehlt sich der Beizug eines sachkundigen Anwalts.

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